Mein Mann und ich haben immer wieder Streit wegen seiner Familie. Ich finde es sehr schwierig mit seinen Eltern. Sein Vater hat oft extreme Meinungen und seine Mutter scheint mir gar nicht zuzuhören. Auch stört es mich, dass sie unseren Kindern immer Süssigkeiten geben und von uns verlangen, dass wir einmal im Monat am Sonntag zu ihnen kommen. Wenn wir dann da sind, muss es so laufen, wie sie es sich gewohnt sind. Als ich gesagt habe, dass ich nicht mehr hinfahren möchte, war mein Mann sehr gekränkt, obwohl er selbst auch schon gesagt hat, dass er seine Eltern anstrengend findet. Wir haben deswegen schon richtig Streit.

Die (Schwieger-)Familie ist ein häufiges Konfliktthema bei Paaren. Schon für die einzelne Person ist die Gestaltung der Beziehung zu den Eltern im Erwachsenenalter manchmal herausfordernd und mit ambivalenten Gefühlen verbunden. Sie schreiben selbst, dass auch Ihr Partner manchmal mit seinen Eltern hadert und nicht alles toll findet. Gleichzeitig bleibt er auch der Sohn seiner Eltern. Die eigene Herkunftsfamilie ist zentral für die eigene Identität, das Selbstbild und den Selbstwert. So bleibt Ihr Mann mit seinen Eltern verbunden.

Werden die eigenen Eltern von aussen kritisiert, fühlt sich das zuweilen wie Kritik an der eigenen Person an. Sie hingegen wünschten sich vielleicht, dass Ihr Mann sich stärker für Sie einsetzt und von den eigenen Eltern abgrenzt. Können Sie einmal in einem ruhigen Moment über die ganze Thematik reden? Das Ziel sollte sein, dass das Thema (Schwieger-)Eltern nicht einen Keil zwischen Sie beide treibt, indem es zum Machtkampf wird, sondern, dass Sie gemeinsam Lösungen für sich als Paar und Ihre gemeinsame Familie finden. Folgende Fragen könnten Sie leiten: Was ist Ihnen beiden in Bezug auf das Thema (Schwieger-)Eltern wichtig? Wo können Sie beide einander entgegenkommen? Wie kann Ihr Mann Sie unterstützen, wie Sie ihn? Überlegen Sie sich, wo Sie sich auf seine Eltern einlassen können und wo Ihre Grenzen sind. Wie können Sie als Paar und Familie die Beziehung aktiver gestalten? Könnten Sie die Eltern einmal zu sich einladen oder gemeinsam einen Ausflug machen, anstatt immer zu ihnen zu fahren? Wo kann Ihr Mann die Beziehung auch ohne Sie pflegen – allenfalls auch mit den Kindern? So haben Sie eine Pause für sich. Und in welchem Setting können Sie sich vorstellen, dabei zu sein? Wenn Sie Entscheidungen ausgehandelt haben, vertreten Sie diese gemeinsam als Team.

Noëmi Ruther, Paarberatung und Mediation im Kanton Zürich,
Beratungsstelle Wetzikon

Dieser Artikel wurde im Stadt-Anzeiger Opfikon Glattbrugg unter der Rubrik «DER GUTE RAT» am 30.05.2024 veröffentlicht.

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