Wir sind seit 10 Jahren ein Paar. Früher sind wir gemeinsam klettern gegangen. Seit einiger Zeit haben wir das gemeinsame Hobby aufgegeben. Was denken Sie, ist es schlau als Paar ein gemeinsames Hobby zu haben?

Ja, auf der einen Seite kann das schlau sein, denn wenn Paare wenig Zeit miteinander haben, kann dies eine gute Gelegenheit sein, sich zu sehen und etwas zusammen zu unternehmen. Das
gemeinsame Erlebnis kann die Beziehung beflügeln und beleben. Es gibt auch Gesprächsstoff zum gemeinsam vertiefen und besprechen. Bei der Wahl und beim Ausüben des Hobbies kann geübt werden, wie gehen die Liebenden mit unterschiedlichen Ideen und Bedürfnissen um, wie lösen sie das. Gibt eine:r nach, finden sie einen Kompromiss oder eine Entscheidung – wird diskutiert oder geschwiegen.

Es ist ein gutes Übungsfeld, denn in der Liebesbeziehung lernt ein Paar, wie es mit den unterschiedlichen Bedürfnissen umgeht. Ob sie sich darüber streiten und den anderen dafür kritisieren oder sich zurückziehen oder ob sie trotz Verschiedenheit und Streit das gemeinsame Bündnis nicht kündigen.

Und ob sie Verbindung und Nähe zur Partnerin oder zum Partner halten und spüren, trotz Schwierigkeit und Konflikt. Auch wenn eines der beiden es dem anderen zu Liebe tut und sich anpasst – wird es mittelfristig schwierig für beide. Aber ich sehe das nicht als Gefahr sondern eher als Chance für die Liebenden, mit dem umzugehen. Auf der anderen Seite, wenn Sie das einzige Hobby welches Sie pflegen mit Ihrem Lieblingsmenschen teilen, dann fehlt eventuell die Zeit für sich alleine oder die Zeit mit dem Freundeskreis. Zudem kann es spannend sein vom Hobby der:s Partners:in zu hören.

Verschiedene Hobbys können also auch die Beziehung beleben und den Lieblingsmensch interessant werden lassen. Im Hobby findet auch eine persönliche Entwicklung statt, und das ist notwendig um die Beziehung wachsen zu lassen. Wenn Sie beide im Kontakt sind und von sich erzählen, von ihren Erlebnissen, Begegnungen und Gefühlen, können Sie Anteil nehmen an der Welt des anderen und dies kann sich reichhaltig anfühlen. Zudem motiviert es Sie und ihre:n Partner:in vielleicht zu eigenen Aktivität und spornt Sie an – so sind beide im Fluss und die Beziehung ebenso.

Katrin Lukas, Paarberatung und Mediation im Kanton Zürich, Beratungsstelle Bülach

Dieser Artikel wurde im Stadt-Anzeiger Opfikon Glattbrugg unter der Rubrik «DER GUTE RAT» am 03.08.2023 veröffentlicht.

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