Frau Lukas, ist Geld oft ein Streitpunkt in Beziehungen?
Wenn Paare einen gemeinsamen Haushalt haben, dann wird es zum Thema. Wie sollen die Kosten aufgeteilt werden, wer verdient wie viel, wie wird die Hausarbeit aufgeteilt et cetera? Es gibt häufig Uneinigkeit bezüglich des Wertes der Arbeit, welche nicht 1:1 mit Geld bezahlt wird (Kinderbetreuung, Haushalt), wo der Gegenwert nicht zahlenmässig ersichtlich ist.
Warum führt die Kostenverteilung zu Diskussionen?
Beide wollen meistens Fairness. Es herrscht oft der Anspruch, dass die Beziehungspersonen gleich viel geben und nehmen sollen. Was dieses «gleich» ist, wird oft von den beiden Personen unterschiedlich gesehen. Das führt zu Diskussionen. Oft hat eine Person in der Beziehung die Wahrnehmung, sie gebe mehr und komme zu kurz. Dies kann dann dazu führen, dass die Person Vorwürfe macht oder aus Trotz weniger gibt und sich aus der Beziehung zurückzieht.
Was ist für Sie als Fachperson die beste Lösung, wenn Geld zu Streit führt?
Sich zu überlegen, ob es einem wert ist, wegen Geld zu streiten. Oft ist es nicht nur der Geldwert, es geht den Menschen oft um das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden: Die andere Person übernimmt zu wenig und ich muss mehr tragen. Dies kann zu einem Gefühl der persönlichen Verletzungen führen und dieses Gefühl
kann sich in Wut und Missgunst verwandeln. Es gibt aber auch grosszügige Menschen, die es aushalten können, wenn das Gegenüber weniger Kosten übernimmt.
Diese Personen halten es gut aus, wenn es für eine Phase in der Beziehung ein Ungleichgewicht gibt. Auf die ganze Beziehung bezogen muss jedoch Geben und Nehmen relativ gut ausgeglichen sein. Dies meint aber vor allem das emotionale Geben und Nehmen und die geleistete Beziehungsarbeit, wie man sich einbringt, jeder mit seinen Ressourcen. Geld ist nur eine von vielen Ressourcen in einer Beziehung. Und Geld alleine kann keine Beziehung am Laufen halten.
Katrin Lukas, Paarberatung und Mediation im Kanton Zürich, Beratungsstelle Bülach
Dieser Artikel wurde im Stadt-Anzeiger Opfikon Glattbrugg unter der Rubrik «DER GUTE RAT» am 27.06.2024 veröffentlicht.