Wir sind ein Paar, beide Mitte 70. Seit zwei Jahren hat sich meine Frau verändert. Für mich unangenehm bis nicht mehr aushaltbar. Sie entwickelte eine Eifersucht auf eine bestimmte Frau, die unbegründet ist. Aber sie glaubt mir nicht. Ich muss immer rapportieren, wo ich war. Und neuerdings behauptet sie, wir hätten Überwachungskameras im Wohnzimmer. Ich bin verärgert. Wer erklärt ihr die Wahrheit? Was soll ich tun?
Sie beschreiben zwei Menschen in einer gemeinsamen Wohnung mit völlig unterschiedlicher Wahrnehmung. Es hört sich an, als würden Sie in verschiedenen Welten leben. Für Sie wird es zunehmend eng in der Beziehung. Sie fühlen sich kontrolliert und Ihre Lebensqualität nimmt ab. Aufgrund Ihrer Angaben vermute ich, dass es sich bei Ihrer Frau um eine Alterskrankheit handelt, die dringend abgeklärt werden muss. Ein Arztbesuch sollte mit viel Wohlwollen aufgegleist werden.
Es geht darum, die Welt Ihrer Frau zu akzeptieren. Ihr zu unterstellen, dass sie lügt oder nicht im Recht ist, wäre nicht hilfreich. Sie können ihr sagen, dass sie die Einzige ist, die diese Dinge so wahrnimmt. Und fragen, ob sie bereit wäre, abzuklären, warum das so sei. Empfehlenswert ist, wenn Sie gemeinsam zum Arzt, zur Ärztin gehen. Eine neurologische Abklärung und eine entsprechende Medikation könnten Ihre Frau entlasten und stabilisieren. So wären auch Sie entlastet, weil die Verhaltensänderung der Partnerin erklärt werden kann. Das heisst, die Anschuldigungen betreffen Sie nicht persönlich. Dennoch ist es natürlich schmerzhaft zu erfahren, dass die Partnerin krank ist.
Hilfreich wäre eine Prognose für den Verlauf in der Zukunft. Als Vorbereitung auf neue Zeiten und eventuelle Vorkehrungen, die einzuleiten wären. Aus Sicht der Paardynamik stellt sich die Frage, wo und wie sich Ihre zwei unterschiedlichen Welten noch überschneiden. Wahrscheinlich ist das Zusammenleben in den letzten Jahren ein Nebeneinander geworden, in dem man sich gegenseitig unterstützt. Falls mit gemeinsamen Freunden und Verwandten Kontakt gepflegt wird, verringert sich die Einsamkeit des Einzelnen. In einer Paartherapie könnte erarbeitet werden, welche Momente geeignet sind, um in der aktuellen Situation Gemeinsamkeit zu leben.
Margareta Hofmann, Paarberatung & Mediation im Kanton Zürich
Beratungsstelle Uster
Dieser Artikel wurde im reformiert. Nr. 20/November 2023 unter der Rubrik «Lebensfragen» veröffentlicht.