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«Er nimmt mich nicht ernst!»

Mein Partner und ich haben einen kleinen zweijährigen Sohn und sind seit fünf Jahren ein Paar. Er hat eine Kaderstelle, ich arbeite Teilzeit. Mich nervt, dass er seinen Job als wichtiger einstuft als meine Arbeit! Sogar jetzt in der Pandemie, als allen klar wurde, wie wichtig wir Pflegefachleute sind, sitzt mein Partner noch immer auf dem hohen Ross und gibt mir zu verstehen, dass er wichtiger ist als ich. Er hat das Gefühl, er sei unersetzlich. Er sagt, er mache dies ja auch für die Familie, damit es uns gut gehe. Er ist ein fürsorglicher Vater, wenn er nicht seine Arbeit über alles stellen würde. Eigentlich hätten wir gerne noch ein zweites Kind, aber ich bin mir nicht mehr sicher. Haben Sie vielleicht einen Tipp?

Positiv ist, dass Ihr Partner sehr pflichtbewusst ist und gut für die Familie sorgt. Sein Anliegen, dass es Ihnen und der Familie gut geht, zeigt in die richtige Richtung, dort können Sie andocken. Erklären Sie Ihrem Partner, worum es Ihnen geht. Wie Sie sich fühlen, wenn er nur über seine Arbeit spricht und Sie keinen Raum mehr haben. Es ist ein Irrtum, dass der Partner oder die Partnerin einem ja gut kennt und wissen sollte was man will. Auch in langjährigen Partnerschaften ist Austausch und Kommunikation unersetzlich.  Am besten formulieren Sie Ihre Gefühle mit Ich-Botschaften. Bringen Sie auf den Punkt, was Sie sich wünschen von ihm: Wertschätzung und Interesse an dem was Sie in Ihrem Beruf leisten und im Alltag zuhause. Dass Sie die Partnerschaft auf Augenhöhe führen möchten. Wichtig ist, dass Sie für ein solches Gespräch einen passenden Rahmen wählen, in Ruhe, ohne Ablenkung.

Kommunikation muss man üben! Nehmen Sie sich jede Woche Zeit für ein sogenanntes Zwiegespräch. Eine Person erzählt 15 Minuten von sich, die andere Person hört zu. Dann wird umgedreht. Worüber Sie sprechen steht Ihnen beiden frei. Einzige Bedingung: Keine Vorwürfe und Anschuldigungen gegenüber der anderen Person, man spricht in der Ich-Form.  Erst wenn beide ihr Zeitfenster von 15 Minuten hatten, darf man gegenseitig Fragen stellen und diskutieren. Solche Zwiegespräche erhöhen die Wertschätzung und das gegenseitige Verständnis füreinander.

Salome Roesch, Paarberatung & Mediation im Kanton Zürich, Beratungsstelle Wetzikon

Buchtipp «Das Paar-Date - miteinander über alles reden» von Caroline Fux, Joseph Bendel-Zgraggen

Dieser Artikel ist erschienen im Stadt-Anzeiger Opfikon Glattbrugg 

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